WeitblickDienstleister · 5 Min. Lesezeit · Stand 11. Oktober 2026
Kursbuchung für Yoga- und Fitnessstudios: Einzelbuchung, Zehnerkarte oder Mitgliedschaft
Einzelbuchung, Zehnerkarte und Mitgliedschaft im Vergleich: Einnahmen, Aufwand, Rechtliches in Österreich und Deutschland, Anforderungen ans Buchungssystem.

Für die Kursbuchung im Yoga- oder Fitnessstudio gibt es drei Modelle: Jeder Platz wird einzeln gebucht und bezahlt, mehrere Besuche werden als Zehnerkarte im Voraus verkauft, oder Mitglieder zahlen einen festen Monatsbeitrag. Die Einzelbuchung passt für offene Stunden, Workshops und Lehrende ohne eigenes Studio. Zehnerkarte und Mitgliedschaft lohnen sich, sobald du von Stammgästen lebst, die jede Woche kommen. Die meisten Studios kombinieren zwei der drei Modelle.
Wie unterscheiden sich die drei Modelle?
| Einzelbuchung | Zehnerkarte | Mitgliedschaft | |
|---|---|---|---|
| Bezahlt wird | Je Kursplatz, bei der Buchung oder vor Ort | Einmal im Voraus für mehrere Besuche | Jeden Monat derselbe Betrag |
| Einnahmen | Schwanken mit Wetter, Ferien und Saison | Kommen früh, die Leistung schuldest du noch | Planbar, solange Mitglieder bleiben |
| Bindung | Keine | Locker, bis die Karte leer ist | Hoch, mit Kündigungsfrist |
| Aufwand | Gering | Guthaben zählen, Laufzeit verwalten | Abbuchung, Pausen, Kündigungen, Mahnungen |
| Passt für | Offene Stunden, Workshops, Retreats, Probestunden | Regelmäßige Gäste ohne festen Rhythmus | Stammgäste, die jede Woche kommen |
Was bringt welches Modell an Einnahmen?
Rechenbeispiel mit angenommenen Preisen: Eine Einzelstunde kostet € 18, die Zehnerkarte € 150, die Mitgliedschaft € 79 im Monat. Mit der Zehnerkarte kostet eine Stunde € 15. Ein Mitglied, das sechsmal im Monat kommt, zahlt € 13,17 je Stunde. Kommt es nur dreimal, sind es € 26,33. Für dich heißt das: 40 Mitglieder bringen € 3.160 im Monat, egal wie das Wetter ist. Dieselben 40 Personen als Einzelbucher mit je vier Besuchen bringen € 2.880, in einem Ferienmonat mit je zwei Besuchen nur € 1.440.
Die Mitgliedschaft glättet also deine Einnahmen. Dafür trägst du das Risiko, dass sehr aktive Mitglieder mehr Plätze belegen, als ihr Beitrag deckt. Viele Studios begrenzen deshalb die Besuche je Woche oder verlangen eine Anmeldung je Stunde, auch von Mitgliedern.
Bei der Zehnerkarte bekommst du das Geld vor der Leistung. Buchhalterisch und rechtlich schuldest du die Stunden noch. Rechne verkaufte, aber nicht eingelöste Besuche nicht als sicheren Gewinn.
Was ist rechtlich zu beachten?
Die folgenden Punkte beschreiben die Lage in Grundzügen, zuerst für Österreich, dann für Deutschland. Sie sind keine Rechtsberatung.
- Online gebuchte Einzelstunde: Für Freizeitdienstleistungen mit einem bestimmten Termin gibt es kein vierzehntägiges Rücktrittsrecht, in Österreich nach § 18 Abs 1 Z 10 FAGG, in Deutschland nach § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB. Die Ausnahme setzt einen vertraglich festgelegten Zeitpunkt oder Zeitraum voraus. Für eine Zehnerkarte oder Mitgliedschaft ohne festen Termin solltest du deshalb prüfen lassen, ob das Rücktrittsrecht besteht und wie du darüber informierst.
- Laufzeit der Zehnerkarte in Österreich: Die WKO hält für entgeltliche Gutscheine fest, dass sie ohne Befristung 30 Jahre gelten und dass eine zu kurze Befristung in Geschäftsbedingungen unwirksam ist. Für Wertgutscheine nennt sie unter Verweis auf die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs eine Befristung auf drei Jahre oder weniger als unzulässig. Ob das eins zu eins für Zehnerkarten gilt, sagt die Seite nicht. Wenn du eine kurze Laufzeit willst, lass sie prüfen und biete eine Verlängerung oder Rückzahlung an.
- Mitgliedschaft in Österreich: § 15 KSchG gibt Verbrauchern bei bestimmten Verträgen über wiederkehrende Leistungen ein Kündigungsrecht zum Ende des ersten Jahres und danach halbjährlich. Ob dein Studiovertrag darunter fällt und welche Bindung zulässig ist, hängt vom Vertrag ab. Lass Bindungsdauer und Kündigungsfrist prüfen.
- Mitgliedschaft in Deutschland: Nach § 309 Nr. 9 BGB darf die erste Laufzeit gegenüber Verbrauchern höchstens zwei Jahre betragen. Eine stillschweigende Verlängerung ist nur zulässig, wenn sie auf unbestimmte Zeit erfolgt und danach jederzeit mit höchstens einem Monat Frist gekündigt werden kann. Die Kündigungsfrist zum Ende der ersten Laufzeit darf höchstens einen Monat betragen.
- Online abgeschlossene Mitgliedschaft in Deutschland: § 312k BGB verlangt auf der Website eine gut erreichbare Kündigungsschaltfläche.
Was muss ein Buchungssystem dafür können?
- Für die Einzelbuchung: Kurse mit Höchstteilnehmerzahl, Wochenplan mit Ausnahmen, Online-Zahlung, Teilnehmerliste, Absage über einen Link.
- Für die Zehnerkarte: ein Guthaben je Person, das bei jeder Buchung sinkt und bei rechtzeitiger Absage zurückkommt, dazu Laufzeit und Verlängerung.
- Für die Mitgliedschaft: wiederkehrende Abbuchung, Pausieren, Kündigung, Mahnlauf bei fehlgeschlagener Zahlung und eine Regel, wie viele Stunden ein Mitglied buchen darf.
- Für alle drei: Warteliste für volle Kurse, Stornofrist und eine Nachricht an alle Teilnehmenden, wenn eine Stunde ausfällt.
Welches Modell passt zu dir?
- Du unterrichtest allein, in gemieteten Räumen oder draußen: Einzelbuchung mit Vorauszahlung. Wenig Verwaltung, kein Vertrag.
- Du gibst Workshops, Ausbildungen oder Retreats: Einzelbuchung mit Vorauszahlung oder Anzahlung und klarer Stornofrist.
- Du führst ein Studio mit festem Kursplan und Stammgästen: Mitgliedschaft als Kern, dazu Zehnerkarte und Einzelstunde für alle, die seltener kommen.
- Du bist unsicher: Fang mit Einzelbuchungen an und beobachte drei Monate, wie oft dieselben Personen wiederkommen. Erst dann lohnt sich die Verwaltung einer Karte oder Mitgliedschaft.
So geht das mit EachVisit
EachVisit bildet heute nur das erste Modell ab. Du legst Kurse mit Teilnehmerplätzen nach einem Wochenplan an, mit Ausnahmen für Feiertage und Ferien. Gäste buchen ihren Platz online und zahlen, wenn du das möchtest, gleich bei der Buchung. Du hast eine Teilnehmerliste mit Check-in und erreichst alle Teilnehmenden einer Stunde mit einer einzigen Nachricht. Räume und Lehrende werden mit eingeplant, Einzelstunden mit Wahl der Lehrperson sind ebenfalls möglich.
In EachVisit buchen und bezahlen Teilnehmer jeden Kursplatz einzeln. Das passt für offene Stunden, Workshops, Retreats und einzelne Lehrende. 10er-Blöcke sind in Entwicklung. Die regulären Pläne Solo und Klein kosten € 19 beziehungsweise € 69 im Monat, jeweils mit unbegrenztem Team. EachVisit nimmt 0 % Provision, die Gebühren von Stripe fallen bei Online-Zahlungen an. In der geschlossenen Beta gilt Preis auf Anfrage. Eine spätere kostenpflichtige Nutzung setzt deine aktive Zustimmung voraus.
Quellen
- RIS: § 18 FAGG, Ausnahmen vom Rücktrittsrecht (abgerufen am 2026-10-11)
- RIS: § 15 KSchG, Verträge über wiederkehrende Leistungen (abgerufen am 2026-10-11)
- WKO: Gutscheine, Stand 15.10.2025 (abgerufen am 2026-10-11)
- Gesetze im Internet: § 312g BGB (abgerufen am 2026-10-11)
- Gesetze im Internet: § 309 BGB (abgerufen am 2026-10-11)
- Gesetze im Internet: § 312k BGB, Kündigungsschaltfläche (abgerufen am 2026-10-11)
Rechtliche Angaben in diesem Artikel sind allgemeine Information und keine Rechtsberatung.


