WeitblickGastgeber · 6 Min. Lesezeit · Stand 11. Oktober 2026
Quandoo ist eingestellt: was Restaurants jetzt tun sollten
Quandoo hat den Betrieb beendet. Was angekündigt wurde, welche Fristen bis 31. Dezember 2026 laufen und wie du Reservierungen, Gästedaten und Links umziehst.

Quandoo hat den Betrieb eingestellt. Wenn dein Restaurant bisher Reservierungen über Quandoo angenommen hat, solltest du jetzt drei Dinge tun: künftige Reservierungen und Gästedaten sichern, ein eigenes Reservierungssystem auf deiner Website einrichten und jeden Link austauschen, der noch zu Quandoo führt. Dieser Artikel zeigt zuerst, was genau angekündigt wurde, und dann die Schritte, nach Dringlichkeit geordnet.
Was hat Quandoo angekündigt und bis wann?
Auf quandoo.de steht am 11. Oktober 2026 unter der Überschrift „Ein wichtiges Update zu den Quandoo-Diensten“ wörtlich: „Nach der Entscheidung, den Betrieb einzustellen, hat Quandoo seine geplante und ordnungsgemäße Schließung nun vollzogen. Unsere Plattform ist nicht mehr verfügbar.“ Für Fragen zu zukünftigen Buchungen oder ausstehenden Loyalty-Cashback-Auszahlungen nennt Quandoo die Adresse [email protected] und bittet, sich bis spätestens 31. Dezember 2026 zu melden. Im Fußbereich steht Quandoo GmbH i.L., also in Liquidation.
Die Einzelheiten stammen aus der Ankündigung vom Frühjahr. Das Branchenportal Tageskarte berichtete am 1. April 2026 unter Berufung auf die Mitteilung von Quandoo:
| Was | Stand laut Bericht vom 1. April 2026 |
|---|---|
| Betroffene Märkte | alle Märkte weltweit, in denen die Plattform aktiv war |
| Neue Reservierungen | bis 30. September 2026 |
| Dienste für Gäste | ab 1. Oktober 2026 eingestellt |
| Verträge mit Restaurants | enden automatisch zum 30. September 2026, ohne Kündigung |
| Export von Reservierungsdaten und Gästelisten | bis 31. Dezember 2026 |
| Abschaltung von Website, App und Infrastruktur | für 31. Dezember 2026 vorgesehen |
| Grund | eine geschäftliche Entscheidung, ohne weitere Angaben |
Die öffentliche Seite bezeichnet die Plattform heute bereits als nicht mehr verfügbar. Ob dein Restaurant-Zugang und der Export noch funktionieren, prüfst du am besten sofort. Wenn nicht, schreib an die genannte Adresse und warte damit nicht bis Dezember.
Was solltest du als Erstes sichern?
- Alle Reservierungen ab heute: Datum, Uhrzeit, Personenzahl, Name, Telefon, E-Mail, Anmerkungen wie Allergien oder Kinderstuhl.
- Gruppen und Feiern mit allem, was vereinbart wurde, auch Anzahlungen.
- Deine Gästeliste mit Besuchen und Notizen, soweit du sie exportieren kannst.
- Rechnungen und Abrechnungen von Quandoo für deine Buchhaltung.
- Texte, Fotos und Öffnungszeiten aus deinem Profil, falls du sie nur dort gepflegt hast.
Speichere den Export als Datei an einem Ort, auf den nur du und deine Betriebsleitung zugreifen können. Druck die Reservierungen der nächsten vier Wochen zusätzlich aus. Das klingt altmodisch, rettet aber den Abend, wenn ein Zugang plötzlich nicht mehr funktioniert.
Darfst du die Gästedaten mitnehmen?
Die Daten deiner Gäste sind personenbezogene Daten, und die Datenschutz-Grundverordnung gilt beim Umzug weiter. Drei Punkte sind wichtig. Erstens die Zweckbindung nach Art. 5 DSGVO: Daten, die für eine Reservierung erhoben wurden, darfst du für diese und künftige Reservierungen verwenden, aber nicht ohne Weiteres für etwas anderes. Zweitens die Speicherdauer: Übertrag nicht jeden alten Eintrag. Gäste, die seit Jahren nicht mehr da waren, brauchst du nicht im neuen System. Drittens der Vertrag mit dem neuen Anbieter: Er verarbeitet die Daten in deinem Auftrag, dafür verlangt Art. 28 DSGVO einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Ob du für die Daten aus Quandoo allein verantwortlich warst oder Quandoo für Teile selbst, hängt von deinem Vertrag ab. Das konnten wir nicht prüfen. Pass deine Datenschutzerklärung an und nenne dort den neuen Anbieter als Empfänger.
Für Werbung gelten strengere Regeln als für die Abwicklung. In Österreich ist Werbung per E-Mail oder SMS nach § 174 TKG 2021 nur mit vorheriger Einwilligung zulässig. Die Ausnahme: Du hast die Adresse selbst im Zusammenhang mit einem Verkauf oder einer Dienstleistung von deinem Kunden erhalten, wirbst für ähnliche eigene Leistungen und der Gast konnte und kann jederzeit kostenfrei ablehnen. In Deutschland steht dieselbe Ausnahme in § 7 Abs. 3 UWG. Eine sachliche Mitteilung an Gäste mit offener Reservierung, dass ihre Reservierung bestehen bleibt, ist keine Werbung. Ein Newsletter an alle, die je über ein Portal reserviert haben, ist ohne Einwilligung riskant.
Das ist keine Rechtsberatung. Bei Fragen hilft in Österreich die WKO, in Deutschland helfen IHK und DEHOGA.
Wie du ohne Lücke umziehst
Bei einem normalen Wechsel lässt du altes und neues System zwei bis vier Wochen nebeneinander laufen. Hier ist das alte System bereits geschlossen. Der Parallelbetrieb besteht deshalb aus deiner gesicherten Liste und dem neuen System.
- Neues System einrichten: Tische, Bereiche, Servicezeiten, Aufenthaltsdauer und wie viele Gäste je Zeitfenster kommen dürfen.
- Alle offenen Reservierungen aus der Liste eintragen, die größten und die nächsten zuerst. Danach Zeile für Zeile abhaken.
- Eine Person bestimmen, die bis zum Abschluss jede telefonische Reservierung nur noch im neuen System einträgt. Ab jetzt gilt nur, was im neuen System steht.
- Online-Reservierung erst freischalten, wenn die übertragenen Reservierungen eingetragen sind. Sonst vergibst du Tische doppelt.
- Eine Woche lang jeden Abend die Liste mit dem neuen System vergleichen.
Welche Links du austauschen musst
- Website: Reservieren-Knopf, eingebettetes Fenster, Kontaktseite, Fußzeile.
- Google-Unternehmensprofil: Wähle im Profil „Profil bearbeiten“ und beim Transaktionstyp „Buchung“ die Option „Link hinzufügen“. Hast du mehrere Links, kannst du einen bevorzugten festlegen. Links von Drittanbietern entfernst du über „Buchung“ und „Anbieter entfernen“. Laut Google müssen Anbieter solche Links innerhalb von fünf Tagen nach dem Antrag löschen.
- Instagram und Facebook: Link im Profil und Aktionsknopf.
- E-Mail-Signatur, automatische Antworten, Newsletter-Vorlagen.
- Gedrucktes: QR-Codes auf Speisekarten, Flyern und Rechnungen.
- Einträge bei Tourismusverband, Stadtportal und Restaurantführern.
Such einmal im Browser nach dem Namen deines Lokals zusammen mit dem Wort „reservieren“. Was auf der ersten Seite erscheint, sehen auch deine Gäste.
Wie du es deinen Stammgästen sagst
Halte es kurz und praktisch. Gäste wollen wissen, wo sie ab jetzt reservieren, und dass ihre Reservierung bestehen bleibt. Ein Satz auf der Website, ein Aufsteller am Tisch, ein Hinweis in der Bestätigungsmail und ein Satz am Telefon reichen. Wer bei Quandoo Treuepunkte gesammelt hat, wendet sich mit Fragen zur Auszahlung an Quandoo selbst, die Adresse steht oben.
Was ein eigenes System kostet
Reservierungssysteme rechnen auf zwei Arten ab: mit einem fixen Monatspreis oder mit einer Gebühr je reserviertem Gast, manchmal beides. Portale bringen dafür auch neue Gäste. Ein System auf deiner eigenen Website tut das nicht.
Rechenbeispiel: Ein Lokal mit 60 Plätzen hat im Monat 600 online reservierte Gäste. Bei einer Gebühr von € 1 je Gast sind das € 600 im Monat, bei einem Fixpreis von € 69 bleiben es € 69. Der Euro je Gast ist eine Annahme zum Rechnen und kein Preis eines bestimmten Anbieters. Frag bei jedem Angebot nach beiden Zahlen.
So geht das mit EachVisit
EachVisit ist ein Reservierungssystem für deine eigene Website. Gäste wählen Uhrzeit und Personenzahl, der passende Tisch wird automatisch zugewiesen. Du zeichnest deinen Raumplan, legst Servicezeiten und Höchstzahlen je Zeitfenster fest und siehst den Abend als Liste oder im Raumplan, am Empfang auch am Tablet. Laufkundschaft und Anrufe trägst du selbst ein. Eine Warteliste mit Benachrichtigung gibt es ebenfalls.
Was EachVisit nicht ist: ein Portal, das dir neue Gäste bringt, oder eine Kasse. Einen automatischen Import aus Quandoo gibt es nicht. Offene Reservierungen trägst du von Hand nach. Regulär sind im Plan Klein um € 69 monatlich 80 Sitzplätze enthalten; Erweiterungen bis 140 Plätze sind möglich. Mittel startet bei € 129 mit unbegrenzten Sitzplätzen, ohne Gebühr je Gast. Die Provision beträgt 0 %, bei Online-Zahlungen fallen die Gebühren von Stripe an. In der geschlossenen Beta gilt Preis auf Anfrage. Die regulären Paketpreise dienen zur Orientierung; später kostenpflichtig wird es nur mit deiner aktiven Zustimmung.
Quellen
- Quandoo: Ein wichtiges Update zu den Quandoo-Diensten
- Tageskarte: Restaurant-Reservierungsplattform Quandoo stellt Betrieb bis Ende 2026 ein (1. April 2026)
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: Buchungslinks hinzufügen und Links von Drittanbietern entfernen
- DSGVO Art. 5: Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten
- DSGVO Art. 28: Auftragsverarbeiter
- RIS: § 174 TKG 2021, unerbetene Nachrichten
- Gesetze im Internet: § 7 UWG, unzumutbare Belästigungen
Rechtliche Angaben in diesem Artikel sind allgemeine Information und keine Rechtsberatung.


